Ronda

Imposant thront die Stadt auf einem Felsplateau, das nach Westen hin bis zu 160 Meter tief abfällt. Ronda zählt zu den weißen Dörfern Andalusiens. Dabei handelt es sich um Dörfer und Kleinstädte maurischen Stils, die sich durch weiß getünchte Häuserfassaden und enge Gassen, so wie sie auch in Nordafrika vorherrschen, auszeichnen.

Die weißen Häuser von Ronda

Berühmt ist Ronda aber in erster Linie aufgrund seiner spektakulären Lage. Durch eine tiefe Schlucht - El Tajo genannt - ist die Stadt in zwei Hälften geteilt. Während die Altstadt sich auf das kleinere, südliche Plateau beschränkt - nur dieser Teil war unter maurischer Herrschaft bebaut - erstreckt sich die Neustadt, die sich erst nach der Reconquista entwickelte, auf den größeren Teil.

Das beliebteste Postkartenmotiv von Ronda

Drei Brücken überspannen die Schlucht, die zwar sehr tief (je nach Quelle zwischen 80 und 120 Meter) aber nur max. 68 Meter breit ist:

  • Die Puente Árabe ganz im Osten am Eingang zur Schlucht ist die niedrigste der drei Brücken. Sie stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert, nachdem an selber Stelle möglicherweise bereits eine römische Brücke gestanden hatte. Nach mehreren Reparaturen sieht man dem Bauwerk seinen maurischen Stil heute leider nicht mehr an.

  • Die Puente Viejo (Alte Brücke) stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde nach der Reconquista errichtet um die neu entstandenen Stadtteile auf der anderen Seite der Schlucht mit der Altstadt zu verbinden.

  • Der Bau der Puente Nuevo (Neue Brücke) am Ausgang der Schlucht, wurde 1759 begonnen und dauerte 34 Jahre. Sie dominiert heute das Antlitz der Stadt wie kein anderes Bauwerk.

Puente Nuevo

Ein kurzer geschichtlicher Überblick muss sein:

Vor rund 20000 Jahren lebten hier bereits Menschen, wie Höhlenmalereien in der Cueva de la Pileta, rund 20 km südwestlich der Stadt, zeigen. Die Zivilisationsgeschichte verlief in Folge jedoch nicht viel anders als im Rest Andalusiens: Erst kamen die Iberer, dann die Römer. Von diesen stammt auch der erste überlieferte Name: "Arunda". Als das römische Reich zerfiel, übernahmen alsbald die Westgoten die Herrschaft über die iberische Halbinsel, bis im 8. Jahrhundert die Mauren kamen.

Auf den Ruinen der römischen Festung errichteten sie eine Burg und Ronda wurde sogar Hauptstadt eines der fünf Verwaltungsbezirke von Al-Andalus. Aber auch die Mauren waren sich nicht immer einig und so wechselten im Laufe der Zeit mehrmals die Herrschaftsverhältnisse. Zuletzt gehörte Ronda als eine der westlichsten Städte zum nasridischen Königreich von Granada. Erst 1485 wurde es von den katholischen Heeren eingenommen, nachdem diese die Wasserversorgung der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Anders als in Antequera wurde den maurischen Einwohnern Rondas freies Geleit gewährt.

Die neuen Bewohner begannen rasch die Stadt umzugestalten und zu vergrößern. Jenseits der Schlucht des El Tajo entstand der neue Stadtteil "El Mercadillo" (der Markt), während die Altstadt - von nun an kurz "La Ciudad" (die Stadt) genannt - erweitert wurde.

Den Franzosen unter Napoléon ist es schließlich zu verdanken, dass Ronda um eine Attraktion ärmer ist. Bei ihrem Abzug im Jahre 1812 sprengten sie die Burg und Teile der Stadtmauern.

Stadtmauer am südlichen Stadtrand

Im spanischen Königreich erlangte Ronda nicht viel mehr als den Status einer Provinzstadt, die heute 35.000 Einwohner zählt.

Für eine Sache ist Ronda aber dann doch von trauriger Berühmtheit: Es gilt als die Geburtsstätte des "modernen" Stierkampfes. Die Stierkampfarena ist eine der größten in Spanien.

Was man als Individualreisender beachten sollte:

Ronda ist nur 50 km von der Costa del Sol entfernt und deshalb zur Badesaison stark überlaufen. Trotzdem sollte man die Stadt schon einmal gesehen haben.

Must See in Ronda:

  • Puente Nuevo von oben und von unten

  • Altstadt La Ciudad mit ihren weißen Häusern und engen Gassen

  • Ausblick vom Mirador de Ronda

  • Die Schlucht El Tajo

  • Casa Del Rey Moro: Unter diesem Palast befindet sich eine 60 Meter tiefe Brunnenanlage, über die die gesamte Stadt einst mit Wasser aus dem Guadalevin versorgt wurde. Über eine Wendeltreppe gelangt man hinunter in die Schlucht. Nachdem die Spanier 1485 vom Fluss aus diesen Brunnen eingenommen hatten, musste die Stadt wenige Tage später kapitulieren.

  • Baños Arabes: Die Arabischen Bäder gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Zu sehen ist unter anderem, wie mittels eines ausgeklügelten hydraulischen Systems das Wasser in die Bäder gepumpt wurde. Nach der Reconquista wurde das öffentliche Baden bald als unsittlich verboten.

  • Jardines de Cuenca: ein botanischer Garten direkt über der Schlucht

  • Palacio de Mondrágon: Einst Wohnsitz des maurischen Statthalters, wurde das Gebäude nach der Reconquista mit Elementen im Renaissance- bzw. gotischen Stil ergänzt.

  • Stierkampfarena: Mir liegt es fern für den Stierkampf in irgendeiner Art Werbung zu machen, aber die Stierkampfarena von Ronda ist ein imposantes Bauwerk und hoffentlich früher als später nur noch als Gedenkstätte für die Opfer dieser zur Schau gestellten Barbarei zu besichtigen.

Tipp:

Über einen kleinen Weg gelangt man hinunter in den El Tajo an den Fuß der Puente Nuevo, ein sehr beeindruckendes Erlebnis mit vielen Aussichtspunkten am Weg dorthin. Nachdem der Rio Guadalevin die Schlucht durchflossen hat, stürzt er hier, direkt hinter der Brücke, am Ausgang der Schlucht, über mehrere Stufen fast 100 Meter in die Tiefe, bis er schließlich die Beckenlandschaft westlich der Stadt erreicht.

Am Fusse der Puente Nuevo

Highlights rund um Ronda:

  • Ruinenstadt Acinipo: Auf einem Hügelplateau ca. 20 km nordwestlich von Ronda errichteten die Römer unter Caesar eine große Stadt. Viele Ruinen sind heute noch zu finden, vor allem das Theater ist noch recht gut erhalten.

  • Cueva de la Pieta: Knapp 3,5 km südlich der Ortschaft Benaoján kann weiter oben erwähnte Höhle mit steinzeitlichen Höhlenmalereien im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Doch nicht nur Kunstwerke unserer Ur-Ahnen sind dort zu finden, die Höhle ist auch ein Refugium für Fledermäuse.

  • Und nicht zuletzt lädt das Umland von Ronda mit seiner teils schroffen Landschaft zur ein oder anderen Wanderung ein.

Fazit / Persönlicher Eindruck:

Die Entscheidung nach Ronda zu fahren, fällten wir kurzfristig in Antequera. Aus diesem Grund waren wir ziemlich schlecht vorbereitet und so fehlen in meinem Fotoarchiv doch ein paar Highlights der Stadt.

Einen halben Tag sollte man schon einrechnen für die Besichtigung und die Hochsaison möglichst meiden.

Wasserfall des Guadalevin unterhalb der Puente Nuevo

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© 2019 Alexander Gerzabek

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