Warum hat der Vordere Langbathsee Anfang März noch eine tragende Eisdecke?

Endlich Frühling! Nach dem kalten Februar lassen die Strahlen der kräftigen Märzsonne die Temperaturen steigen und den Schnee dahin schmelzen.

Sonne und blauer Himmel laden zu ersten kleinen Frühlingsausflügen ein. Warum nicht an die Langbathseen? Die sind landschaftlich ja wirklich von atemberaubender Schönheit.


Doch wehe dem, der glaubt, man könne Winterjacke und Mütze schon zu Hause lassen. Denn dort angekommen, schlummert die Landschaft noch im tiefsten Winterschlaf und die Temperaturen haben so gar nichts frühlingshaftes. Der See selbst ruht unter einer dicken Eisschicht. Kaum etwas deutet hier darauf hin, dass andernorts bereits der Frühling an die Tür klopft.


Aber warum ist das so?

Um das zu verstehen, muss man zuallererst einen Blick auf die Landschaft werfen: Die Langbathseen sind zwei kleine Seen am Ende eines schmalen Tales, das im Süden und Westen vom Höllengebirge, im Norden und Osten von nicht ganz so hohen Bergrücken der Flyschzone umschlossen ist. Den Talausgang bildet ein teilweise nur wenige Meter breiter Korridor, durch den der Langbathbach den Vorderen Langbathsee entwässert.


Kaltluftseen

Eine solche Geländemulde ist eine Voraussetzung zur Bildung von Kaltluftseen. Kalte Luft ist schwerer als warme, sinkt somit nach unten und bleibt buchstäblich wie ein See am Talboden liegen. Durch den schmalen Korridor kann kaum etwas davon abfließen und weil die Berge ringsum die Landschaft vor Wind schützen, kann auch kaum eine Strömung die kalte Luft wegfegen.

umschlossen von Bergen


Doch das alleine genügt noch nicht, um die Eisdecke so lange zu halten:

Die hohen Gipfel des Höllengebirges werfen ihre langen Schatten in das Tal. Die Langbathseen bekommen im Herbst und Winter daher nur sehr wenig Sonnenstrahlung ab, haben dafür aber bei klarem Himmel die ganze Nacht Zeit, die vorhandene Restwärme wieder abzustrahlen.


Und noch eines kommt hinzu: Weil das Höllengebirge im Süden liegt, zeigt es dem Langbathtal seine beeindruckende Nordseite. Hier herrschen hauptsächlich steile Felswände vor, die praktisch keine Sonnenstrahlung abbekommen und daher sehr kalt sind. Luft kühlt an ihnen ab, fließt hinunter ins Tal und sorgt somit für einen ständigen Nachschub an kalter Luft.


Die Nordwände des Höllengebirges

Durchbrochen werden kann dieses Szenario nur durch die Sonne. Wenn sie im Frühjahr höher steigt, erhält das Tal mehr Sonnenstunden und irgendwann übersteigt die Menge an zugeführter Wärmestrahlung jene, die in klaren Nächten wieder abgestrahlt wird.


Doch bis es soweit ist, kann man auch im Frühling noch tiefwinterliche Eindrücke im Langbathtal gewinnen, so wie auf den Fotos unten.


Vorsicht:

Bitte die Eisfläche jetzt nicht mehr betreten, denn mittlerweile taut es auch im Langbathtal.


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© 2019 Alexander Gerzabek

Koppl/Salzburg, Österreich
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